Trinkwasser Chatra

Einander Freunde und Partner sein - Trinkwasserprojekt Chatra Adivasi Para

Alles Leben auf der Erde ist abhängig von Wasser. Es ist unser wichtigstes Lebensmittel und wir benötigen es im Haushalt, für die Landwirtschaft und in der Industrie. Dennoch haben etwa zehn Prozent der Menschheit keinen Zugang zu saube­rem Trink­wasser, etwa 32 Prozent keine angemessene sanitäre Basis­versorgung. Damit fehlt eine grundlegende Vorausset­zung für nachhaltige Entwicklung. So lautet die Kernbotschaft des  sechsten[1]  der  insgesamt  17  Nachhaltigkeitsziele  der Agenda 2030, von den Vereinten Nationen 2015 verab­schiedet. Diese Ziele spiegeln die Erkenntnis wider, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam in der „Einen Welt“ lösen lassen[2]. Mit dem Safe Drinking Water Project Chatra will die Indienhilfe dieser Verant­wortung gerecht werden, gemäß ihrem Motto „teilen – lernen – miteinander für eine zukunftsfähige Erde“.

In Westbengalen, wo Rohrbrunnen für die Landbevölkerung die meistgenutzte Trinkwasserquelle sind, bildet die Verun­reinigung von Grundwasser mit Arsenik ein schwerwiegendes gesund­heitliches Risiko. Die Hälfte der 7,3 Millionen Einwoh­ner des Distrikts Nord 24-Parganas, in dem Herrschings Partnergemeinde Chatra liegt, konsumiert täglich mit Arsenik verseuchtes Trink­wasser. Es ist uns ein Herzensanliegen, die Gemeinden Herrsching und Chatra dabei zu unterstützen, ein gemeinsames Trinkwasserprojekt auf die Beine zu stellen. Dabei war es für unseren 2012 dafür gegründeten Herrschin­ger Arbeitskreis die größte Herausforderung, einen Projekt­partner zu finden, der technische mit sozialer, ökologischer und ortsbezogener Kompetenz verbindet: Seit Juni 2016 haben wir das Glück, mit einem jungen, hochprofessionellen und persönlich engagierten Team der Adelphi Research gGmbH Berlin[3] unter Führung von Ronjon Chakrabarti und Jonas Bunsen zusammenarbeiten zu können. Chakrabarti hat 2016 für Adelphi ein dörfliches Trinkwasser­projekt in West­bengalen erfolgreich abgeschlossen, dabei Knowhow und ein Netzwerk aufgebaut, z.B. mit Dr. Dipankar Chakraborti, dem Direktor der School of Environmental Studies incl. Arsenic Unit, Yadavpur Universität Kalkutta. Einer seiner Doktoran­den ist jetzt für Adelphi im Chatra-Projekt tätig. Etwa 150 besonders arme Adivasi-Familien in Chatras Ortsteil Ghoshpur, knapp 700 Menschen, darunter viele Analphabeten, viele Tagelöhner, als Umweltflüchtlinge vor Jahrzehnten dort gestrandet, sollen durch das Partner­schafts-Modellprojekt nachhaltig mit arsenfreiem sauberem Trinkwasser versorgt werden. Nur 15 von 81 Rohrbrunnen dort sind sauber, wie inzwischen untersucht wurde. 80 Prozent der Menschen trinken regelmäßig mit Arsenik, Eisen, Fäkalbakterien belastetes Wasser.

Das Adivasipara Ghoshpur in Chatra - eine alltägliche Situation: Frau wäscht ihr Kind, daneben Toiletten.      Bild: IH

Das komplexe Projekt, bei dem wir zusätzlich mit Youth Action Groups und unserem Partner DRCSC zusammen­arbeiten, ist in vier Phasen untergliedert: 2016 wurden lokale Rahmen­bedingungen (Haushalte, Wasserquellen, Wasser­bedarf und ‑verbrauch, Gesundheit...) für die Ausarbeitung eines Projekt­konzepts ermittelt. 2017 folgte eine Machbar­keitsstudie für drei unterschiedliche technische Lösungen und deren finanzielle Aspekte. Soeben hat der Arbeitsausschuss der Indienhilfe den Einstieg in die entscheidenden Phasen (2018-2020) mit Ausschreibung, Konstruktion und Inbe­triebnahme einer Anlage beschlossen, begleitet von fortlau­fender Überwachung der Wasserqualität und Stärkung der lokalen Kompetenzen. Mit Adelphi legen wir Wert auf eine partizipative Herangehensweise, damit die Gemeinde Chatra die geplante Trinkwasseraufbereitungs­anlage dauerhaft in Eigenregie betreiben kann.[4] Für den Bau einer sog. Mehrstufigen Filtrationsanlage (MSF) für Oberflächenwasser (Fluss, Teich) plant die Gemeinde Herrsching, über das Programm Nakopa – Nach­haltige Kommunalentwicklung durch Partner­schafts­projekte des deutschen Entwicklungsministeriums BMZ die nötigen Mittel zu beantragen. Darüber hinaus unter­stützt Adelphi Chatras Gemeindeverwaltung und das Village Water and Sanitation Committee dabei, Programme der indischen Regierung aufzugreifen und selbst für das übrige Chatra die Versorgung mit sauberem aresenfreiem Trinkwasser sicherzu­stellen.


[1] Sustainable Development Goal/SDG 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

[2] mehr Infos unter http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/index.html

[3] Adelphi Research ist eine gemeinnützige, unabhängige, weltweit tätige Beratungseinrichtung für Klima, Umwelt und Entwicklung. Weitere Informationen unter https://www.adelphi.de/de/profil/adelphi-research

[4] Die Konzepte, Berichte und Präsentationen von Adelphi zum Trinkwasserprojekt können per email angefordert werden.


Herbstinfo 2016
 

Trinkwasserprojekt Chatra

„Wir in Herrsching vergessen oft, was es wert ist, sauberes Trinkwasser aus der Leitung zu bekommen“, stellte Bürgermeister Christian Schiller in der Gemeinderatssitzung am 17.10. nach der Vorstellung des neuesten Freundschaftsprojektes in Herrschings Partnergemeinde bei Kolkata fest. Ziel ist die Versorgung von 160 Adivasi-Familien in einem Armenviertel Chatras mit arsenfreiem sauberem Trinkwasser. adelphi research, eine gemeinnützige GmbH mit
Erfahrung bei Umweltprojekten in Indien, führt das technisch anspruchsvolle Projekt in Zusammenarbeit mit der IH durch. „Besonderen Wert legen wir auf die Partizipation von Gemeinde und Betroffenen, weil nur so ein nachhaltiger Betrieb gewährleistet wird.“, so der Berliner Projektleiter Ronjon Chakrabarti.


Herbstinfo 2016

Gemeinsam schaffen wir es: fantasievolle Spendenaktionen für Chatra

20.802,04 Euro sind bisher für unser Chatra-Freundschafts-Projekt eingegangen, davon 13.565,80 Euro durch Aktionen von Schüler* innen, unterstützt durch Lehrkräfte und Elternschaft: Spendenläufe der Montessorischule Inning und der Christian-Morgenstern-Volksschule Herrsching, Erlös des mehrtägigen Catering der Indiengruppe Vikas bei den Sommerveranstaltungen am Christoph-Probst-Gymnasium Gilching, und ein Flohmarkt „Kinder für Kinder“ der CMVS. Danke für Euren großartigen Einsatz! Wir danken außerdem einigen großzügigen Spender*innen, Ricardo Volkert und seinen wundervollen Tänzerinnen, deren Benefizkonzert am 16. September 625 Euro erbrachte, der Imkerei Leuchtenberg für Erlös aus Honigverkauf in Höhe von 480 Euro, Elisabeth Kreuz für ihre Geburtstagsaktion (3.380 Euro) einschließlich Tagore-Lieder-Abend mit dem zufällig anwesenden indischen Wirtschaftsprüfer der IH, Sayatya Mallick (neben den Zahlen gilt seine Leidenschaft der Musik) und seiner Frau.